Die Software erzeugt aus einer MRT-Untersuchung zusätzlich CT-ähnliche Bilder der Knochen — eine Untersuchung statt zwei, ohne zusätzliche Röntgenstrahlung.
Wirbelsäulendiagnostik ohne Röntgenstrahlung: SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach setzt als erstes Krankenhaus in Baden-Württemberg innovative Bildgebungssoftware ein
Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach führt als erstes Krankenhaus in Baden-Württemberg die Bildgebungssoftware BoneMRI ein. Bundesweit ist es das dritte Klinikum, das die Technologie nutzt. Die Software erzeugt aus einer regulären MRT-Untersuchung zusätzlich CT-ähnliche Bilder der knöchernen Strukturen. Bei bestimmten medizinischen Indikationen erhalten Patientinnen und Patienten dadurch in einer einzigen Untersuchung sowohl die Darstellung der Weichteile als auch eine hochauflösende Abbildung der Knochen — ohne eine zusätzliche Belastung durch Röntgenstrahlung.
Die Technologie kommt am Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik (ZWOT) in Zusammenarbeit mit der Abteilung für diagnostische und interventionelle Radiologie zum Einsatz. Sie unterstützt sowohl die Diagnostik als auch die Planung von Operationen an der Wirbelsäule.
Vorteile für Patientinnen und Patienten
Die innovative Software bietet mehrere zentrale Nutzen: Es entfällt die Strahlenbelastung durch eine zusätzliche Computertomographie. Statt mehrerer Termine an unterschiedlichen Geräten genügt eine einzige Untersuchung. Besonders relevant ist das für jüngere Patientinnen und Patienten, etwa mit Skoliose oder Wirbelsäulenfehlbildungen, sowie für Verlaufskontrollen, die regelmäßige Bildgebung erfordern. Die kindliche und jugendliche Wirbelsäule reagiert empfindlicher auf ionisierende Strahlung als die erwachsene. Die Software vermeidet diese Belastung vollständig.
„Gerade bei jungen Menschen mit Skoliose stehen wir oft vor der Frage, wie wir den Krankheitsverlauf engmaschig kontrollieren, ohne wiederholt Röntgen- oder CT-Bilder anzufertigen. Diese Innovation liefert uns viele Antworten, sowohl für die Diagnose als auch die Operationsplanung, völlig ohne zusätzliche Strahlenbelastung", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Michael Ruf, Senior Consultant und Skoliose-Spezialist im Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik. Die Software unterstütze beispielsweise auch dabei, die knöchernen Strukturen exakt zu vermessen oder bei der Entscheidungsfindung zur Wahl der passenden Implantate, erklärt Ruf weiter.
Die mit BoneMRI erzeugten Bilddaten lassen sich in einem Untersuchungsgang sowohl für die Diagnose als auch für die präoperative Planung verwenden. Die Software fügt der bestehenden MRT-Untersuchung lediglich eine zusätzliche Sequenz von zwei bis vier Minuten hinzu. Die Auswertung erfolgt automatisiert über eine gesicherte, DSGVO-konforme Cloud-Anbindung.
Gezielter Einsatz der innovativen Technologie
Die neue Anwendung ist eine spezialisierte und aufwendige Diagnostik. Sie erfordert zusätzliche Untersuchungszeit am MRT und bindet damit Ressourcen in der Radiologie, die in der Patientenversorgung sorgfältig eingeplant werden. Nicht jede Anfrage wird sich deshalb erfüllen lassen. Das Klinikum setzt das Verfahren gezielt dort ein, wo der medizinische Nutzen am größten ist: bei Kindern und Jugendlichen, bei Schwangeren sowie bei Patientinnen und Patienten, für die eine Strahlenbelastung ein besonderes Risiko darstellt.
„Wir konzentrieren uns bewusst auf die Patientinnen und Patienten, die durch diese Anwendung am meisten profitieren“, betont Prof. Dr. med. Timo Zippelius, Chefarzt im Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik. „Das sind im Wesentlichen Kinder und Jugendliche mit Deformitäten der Wirbelsäule“, so Prof. Zippelius weiter.
Das Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach gilt national wie international als Referenzzentrum. Jährlich werden hier mehr als 2.500 Eingriffe und Interventionen an der Wirbelsäule durchgeführt. Die Einführung von BoneMRI fügt sich in eine langjährige Investitionslinie in Navigations- und Bildgebungstechnologien ein.
