Nackenschmerzen kennt fast jeder. Doch wenn Schwindel, Sehstörungen oder Schluckbeschwerden dazukommen, kann ein HWS-Syndrom dahinterstecken. Wir erklären typische Symptome und Ursachen wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten.
Schmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Schluckbeschwerden? Das können Symptome des HWS-Syndroms sein

Schmerzen im Nacken und irgendwie lässt sich der Kopf nicht richtig drehen – bei diesen Beschwerden liegt der Gedanke an Probleme der Halswirbelsäule nah. Denn der obere Teil unserer Wirbelsäule ist die Schnittstelle für viele Nervenbahnen und er reagiert, wenn wir uns falsch oder zu wenig bewegen. Doch oft bleibt es nicht bei Schmerzen. Manche Betroffene haben Schwindel, Sehstörungen oder sogar Schluckbeschwerden. Ursache kann das Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) sein. Mehr darüber lesen Sie hier.
Kennen Sie KoNaSchu?
Die Abkürzung steht umgangssprachlich für Beschwerden im Kopf-Nacken-Schulter-Bereich. Schmerzen, Bewegungsblockaden im Halsbereich und auch Kopfweh sind typische Anzeichen dafür. Oft werden sie durch Muskelverspannungen im Nacken ausgelöst, die häufig auch unangenehm in Kopf und Schultern ausstrahlen. Schmerzen und Steifigkeit können akut auftreten, z. B. wenn Sie Zugluft abbekommen oder eine ruckartige Bewegung gemacht haben. Unser Lebensstil spielt auch eine Rolle. Wie bei Rückenschmerzen gelten auch bei KoNaSchu zu wenig Bewegung, Dauersitzen und stundenlanges Starren, etwa aufs Smartphone, als Risikofaktoren. Vor allem die reglose Kopfhaltung in ein und derselben Position über längere Zeit belastet unsere Nackenmuskulatur extrem. Kommen noch andere Faktoren wie Stress oder eine Instabilität der Halswirbelsäule hinzu, kann aus KoNaSchu mehr werden. Darum sollten Sie Beschwerden, die nach zwei Wochen nicht abklingen, sich verschlimmern oder immer wiederkehren, ärztlich abklären lassen.
Von KoNaSchu zum Halswirbelsyndrom
KoNaSchu ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch chronisch werden. Dann können neben ziehenden Schmerzen, Kieferverspannungen und einem steifen Hals dauerhaft weitere Symptome wie Taubheitsgefühle in den Armen, Schwindel oder Sehstörungen dazukommen. Spätestens dann ist ein Besuch bei Fachärzt:innen ratsam, etwa in der Wirbelsäulenchirurgie unseres SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach. Unsere Expert:innen untersuchen Sie und können Ihre Beschwerden einstufen und auch erkennen, ob z. B. Schmerzen im Bereich der Schultern, Arme sowie Hände womöglich auf andere Ursachen wie etwa einen Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule zurückzuführen sind.
Das Halswirbelsäulensyndrom – was ist das eigentlich?
Unter dem Begriff Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) wird ein Symptomkomplex, also eine Reihe von Beschwerden im Schulter-Nacken-Bereich zusammengefasst. Um zu verstehen, wie Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule entstehen können, lohnt sich ein Blick auf ihren Aufbau. Die Halswirbelsäule trägt unseren Kopf und macht ihn beweglich. Das ermöglichen ihre sieben Halswirbel. Besonders der erste und zweite Halswirbel arbeiten funktionell wie eine Art Kugelgelenk zusammen und sorgen dafür, dass wir den Kopf drehen, neigen und bewegen können. Muskeln und Sehnen stabilisieren den Kopf und steuern seine Bewegungen. Über Muskeln und Bänder sind auch Unterkieferund Kehlkopf verbunden. Das stattliche Gewicht unseres Kopfes von bis zu 6 Kilogramm kann problemlos von den Wirbelkörpern getragen und balanciert werden – sofern der Kopf gut über unserer Halswirbelsäule ausgerichtet ist. Wird er jedoch länger aus seiner natürlichen Achse verschoben, kann das Gewicht des Kopfes aufgrund von Hebelkräften bis auf das 4-fache ansteigen. Das kann zur Überlastung von Muskeln und auch Nerven führen – dann treten verschiedene Symptome mehr oder minder schwer auf.
Von Schmerzen bis Gefühlsstörungen: häufige Symptome bei HWS-Syndrom
Die Symptome des auch Zervikalsyndrom (von zervikal = zum Hals oder Halsteil eines Organs gehörig) genannten Krankheitsbildes reichen von knirschenden oder knackenden Geräuschen im Nacken über Verspannungen im Schulter-Bereich bis zu neurologischen Symptomen. Brennende und ziehende Schmerzen im Nacken gehören zu den Hauptmerkmalen des HWS-Syndroms.
Diese Symptome kommen ebenfalls häufig vor:
- Spannungsgefühle oder Schmerzen, die bis zu Schultern, Rücken oder zu den Armen ausstrahlen können
- Nackensteifigkeit und Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule, z. B. beim Drehen des Kopfes
- Gefühlsstörungen oder Missempfindungen in Armen und Händen wie Taubheitsgefühle oder Kribbeln
- leichte oder hartnäckige Kopfschmerzen, die sich manchmal als Migräne manifestieren
- Kopfschmerzen, die sich als Spannungskopfschmerzen im Hinterkopf helmartig bis zur Stirn ausbreiten können
- Permanente Kopfschmerzen und mit Schwindel oder auch Sehstörungen
- Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, Unruhe
Kloßgefühl im Hals, Schwindel und Tinitus – welche Beschwerden noch beim HWS-Syndrom auftreten können
Probleme der Halswirbelsäule können auch andere, nicht immer klar zuzuordnende Beschwerden auslösen, z. B diese:
Gangunsicherheit oder Benommenheitsgefühle können im Zusammenhang mit Erkrankungen der Halswirbelsäule (HWS) auftreten. Ausgeprägter Drehschwindel hat hingegen meist andere Ursachen und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Ohrensausen und Ohrgeräusche (Tinitus) können auftreten, wenn die Muskelverspannungen in der Halswirbelsäule Druck auf die Nerven ausüben, die mit dem Hör- und Gleichgewichtssystem in Verbindung stehen. Diese Muskelverspannungen können durch das HWS-Syndrom verursacht oder verschlimmert werden, was wiederum das Auftreten von Tinitus begünstigen kann.
Schluckbeschwerden: Sie sind auf die Beeinträchtigung der Halswirbelsäule zurückzuführen, sehr häufig durch nach vorne wachsende Verknöcherungen der Halswirbelsäule, selten auch durch massive Fehlstellung, wie z. B. im Rahmen einer Bechterew-Erkrankung.
Kloßgefühl im Hals und Stimmstörungen mit Heiserkeit sowie Druck im Kehlkopf nach längerem Sprechen können ebenfalls vorkommen, weil die Halswirbelsäule, Muskeln, Nerven und Strukturen eng mit dem Kehlkopf und der Stimmbildung verbunden sind. Muskuläre Verspannungen oder Reizungen im Nackenbereich wirken sich darum unter Umständen auch auf den Hals und den Kehlkopf aus.
Stirn- und Gesichtsschmerzen kennen viele Menschen als Folge einer Nebenhöhlenentzündung. Auch ein HWS-Syndrom kann diese Schmerzen verursachen. Denn unsere Halswirbelsäule ist mit unserem Gesicht über komplexe Nervenverbindungen verbunden, die bei einer Fehlfunktion der oberen Halswirbelsäule gereizt reagieren können.
Wichtig: Haben Sie starke, plötzlich auftretende Schmerzen im Nacken oder in einem Arm, die sich nicht bessern, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schwäche in einem Arm, in den Händen oder in den Fingern, kann dies auf Nervenkompression durch einen Bandscheibenvorfall hindeuten. Sofort handeln müssen Sie, wenn plötzliche und unerklärliche Sehstörungen, wie verschwommenes Sehen oder Doppelbilder auftreten, Sie Schwierigkeiten beim Sprechen haben oder eine Gesichtshälfte plötzlich schlaff wird und herabhängt, plötzlicher, starker Schwindel oder Verlust des Gleichgewichts, begleitet von Übelkeit oder Erbrechen vorliegen. Dies können Anzeichen für einen Schlaganfall sein, dann müssen Sie sofort einen Notarzt rufen!
Was wir über die Entstehung des HWS-Syndroms wissen
Es gibt viele verschiedene Ursachen für das Halswirbelsäulensyndrom. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, viel Auto fahren und sich wenig bewegen. Fehlhaltungen, Muskelverspannungen, verklebte Faszien, Verletzungen und Erkrankungen sind häufige Auslöser. Aber auch sportliche Überlastung kann dazu führen, dass sich ein akutes HWS-Syndrom entwickelt. Stress und psychische Belastungen machen dem oberen Teil unserer Wirbelsäule ebenfalls „Druck“ – bei vielen Menschen äußert sich das dann in den typischen Beschwerden. Einige Ursachen können gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig bedingen. Je älter wir werden, umso höher ist außerdem das Risiko für degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule. Bei den Ursachen für das HWS-Syndrom machen diese altersbedingten Abnutzungserscheinungen, die Struktur und Funktion der Wirbelsäule beeinflussen, den größten Teil aus. Allerdings sind auch immer mehr junge Menschen von Halswirbelsäulenproblemen betroffen. Eine mögliche Erklärung ist der Lebensstil, der langfristig zu einer Überlastung der Nackenmuskulatur beitragen kann.
Mögliche Ursachen für Halswirbelsäulenprobleme sind:
Degenerative Veränderungen wie Bandscheibenveränderungen (Protrusion oder Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule), Funktionsstörungen der Haltebänder, Störungen der Wirbelgelenke und Knochenanbauten (Spondylophyten) an der Halswirbelsäule
Angeborene Entwicklungsstörungen wie Skoliosen oder Morbus Scheuermann sowie Anomalien bei der Bildung der Wirbelkörper, wie Keil- oder Blockwirbel
Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew und infektiöse Erkrankungen der Halswirbelsäule, hervorgerufen durch Bakterien, wie z. B. Spondylitis oder Spondylodiszitis
Stoffwechselerkrankungen wie Osteoporose (Knochenschwund) und Rachitis (Erweichung des Knochens aufgrund eines Vitamin-D-Mangels)
Verletzungen durch Frakturen oder Schleudertraumata der Halswirbelsäule
Neurologische Erkrankungen wie Migräne, bei der Nackenschmerzen bereits vor den eigentlichen Kopfschmerzen auftreten können.
Auch seltene neurologische Erkrankungen, Durchblutungsstörungen oder Tumore können ähnliche Beschwerden wie das HWS-Syndrom auslösen, gehen jedoch oft mit weiteren Symptomen einher, wie fortschreitenden Lähmungserscheinungen, Gangunsicherheit, Fieber oder unerklärlichem Gewichtsverlust.
Diese Formen des HWS-Syndroms kennen wir
Bei der großen Bandbreite an möglichen Ursachen und den vielfältigen Beschwerden bei einem HWS-Syndrom ist es wichtig, die Beschwerden genau zu bestimmen. Bei jedem Menschen sitzt der Schmerz an einer anderen Stelle. Darum müssen individuell für jede:n Patient:in und das jeweilige Beschwerdebild gezielt Behandlungsmethoden ausgewählt werden. Dafür ist auschlaggebend, welche Segmente der Halswirbelsäule betroffen sind. Kopfschmerzen beispielsweise sind eher auf Komplikationen im oberen Bereich zurückzuführen. Bei Schulterbeschwerden liegen oft Probleme in der unteren Halswirbelsäule vor. Von einem spezifischen HWS-Syndrom sprechen Mediziner:innen, wenn die Schmerzen von sichtbaren Veränderungen an Wirbeln oder Bandscheiben begleitet werden. Dazu gehört auch das posttraumatische Syndrom nach einem Unfall (Schleudertrauma). Lassen sich keine Verletzungen oder Schäden an den Strukturen im oberen Rücken feststellen, gilt das HWS-Syndrom als unspezifisch. Diese Befunde ohne anatomisch erkennbare Ursache machen den überwiegenden Teil aller HWS-Syndrome aus.
Das HWS-Syndrom kann akut auftreten, etwa durch eine Verletzung. Als chronisch wird es bezeichnet, wenn es über einen längeren Zeitraum besteht und z. B. auf Deformitäten der Wirbelsäule oder entzündliche Erkrankungen zurückzuführen ist.
So kann das HWS-Syndrom behandelt werden
Die Therapiemaßnahmen werden individuell für jede:n Patient:in abgestimmt auf die spezifischen Beschwerden und die jeweilige Ursache des HWS-Syndroms. Der Fokus liegt dabei zunächst auf konservativen Behandlungsmethoden, dazu gehören z. B.:
- Physiotherapie
- Osteopathie
- Akupunktur, Massagen
- Medikamente zur Schmerzlinderung, Muskelrelaxantien, entzündungshemmende Arzneimittel
- Wärmetherapie
Auch eine Kältebehandlung kommt unter Umständen infrage. Die Kryotherapie (Vereisungstherapie) nutzen wir am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, um durch gezielten Einsatz von Kälte einen therapeutischen Effekt zu erzielen: Über eine kleine Sonde werden die Zwischenwirbelgelenke und die zuführenden Nerven vereist. Durch die Kälte verengen sich die Blutgefäße und die Schmerzrezeptoren werden blockiert, wodurch die Schmerzwahrnehmung gemindert werden kann. Mit dieser minimal-invasiven Methode können wir vor allem Patient:innen mit chronischen Schmerzen nahezu nebenwirkungsfrei helfen.
In einigen Fällen können Injektionen von Steroiden oder Lokalanästhetika in den betroffenen Bereich zur Schmerzlinderung angewendet werden. Eine Operation kommt dann infrage, wenn konservative Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung erzielen, z. B. bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule.
Was Sie selbst bei einem HWS-Syndrom tun können
Oft verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen. Bei manchen Patient:innen halten Schmerzen und Einschränkungen jedoch länger an oder kommen immer wieder – abhängig ist das nicht zuletzt von der Ursache für das HWS-Syndrom. Wenn Sie betroffen sind, können Sie durch einige Verhaltensänderungen viel dazu beitragen, die Halswirbelsäule aktiv zu unterstützen. Dazu gehört neben viel Bewegung mit gezieltem Rückentraining auch, dass Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch ausrichten und beim Sitzen auf eine rückenfreundliche Haltung achten. Entspannung ist ebenfalls ein wichtiger Baustein, denn Stress kann Muskelverspannungen und Schmerzen verschlimmern oder sogar hervorrufen.
Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sowie Schmerzen sind wir für Sie da: Die Wirbelsäulenchirurgie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach gehört zu den wichtigsten Wirbelsäulenzentren in Deutschland. Unsere Rückenexpert:innen behandeln das gesamte Spektrum von akuten und chronischen Erkrankungen und Verletzungen an Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule.