SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
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Es gibt keinen Wirbelsäulenchirurgen auf der Welt, der Langensteinbach nicht kennt

Von der Charité über Jena und Ulm nach Langensteinbach: Prof. Dr. Timo Zippelius hat sich bewusst für das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach entschieden. Ein persönliches Gespräch

Von Berlin über Jena und Ulm nach Langensteinbach: Professor Dr. Timo Zippelius kam 2025 an das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Seit Januar 2026 verstärkt er als Chefarzt das Team der Wirbelsäulenchirurgie. Den Schritt von der Universitätsklinik in das hochspezialisierte Zentrum wählte der 44-Jährige bewusst. Es ist ein Wechsel aus Überzeugung, nicht auf Zeit. 

Herr Professor Zippelius, Sie kommen gerade aus dem OP. Was haben Sie operiert?

Wir haben eine junge Patientin mit einer Skoliose operiert, also einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Wir konnten die Wirbelsäule wieder aufrichten, um Schmerzen zu lindern und die Körperstatik zu verbessern. 

Sind Sie als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie auf solche Operationen spezialisiert?

Ja, mein Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Wirbelsäulenverkrümmungen, vor allem Skoliosen bei Kindern und Erwachsenen. Außerdem behandle ich Verschleißerkrankungen wie Bandscheibenvorfälle oder Verengungen des Wirbelkanals. Dazu kommen auch Operationen bei Tumoren oder Wirbelbrüchen. Besonders am Herzen liegen mir Kinder mit Fehlstellungen der Wirbelsäule.

Gibt es Eingriffe, die besonders riskant sind?

Es ist egal, ob es kleine oder große Operationen sind, immer, wenn eine Komplikation auftritt, kann das erhebliche Folgen haben, etwa Lähmungen oder anhaltende Schmerzen. Manche Menschen kommen bereits mit starken Einschränkungen zu uns. Dann können wir nicht alles rückgängig machen, sondern nur Beschwerden lindern oder eine Verschlechterung verhindern. 

Was raten Sie Menschen, die entscheiden müssen, ob Sie sich operieren lassen sollen?

Es gibt klare Notfälle, etwa Wirbelbrüche, bei denen Betroffene ohne Stabilisierung kaum aufstehen könnten. Oder Bandscheibenvorfälle mit ausgeprägten Lähmungserscheinungen, auch da ist eine OP oft unausweichlich.

In vielen anderen Fällen empfehle ich erstmal, alle nicht-operativen Möglichkeiten auszuschöpfen, wie Physiotherapie, Schmerztherapie oder andere Behandlungen. Ich bespreche mit meinen Patient:innen auch ihren Alltag: Können sie sich selbst versorgen? Wie stark sind Schmerzen und Einschränkungen? Wenn man damit leben kann, kann man abwarten. Wenn nicht, sollte man gemeinsam über eine OP nachdenken.

Operationen an der Wirbelsäule sind gefährlich, danach hat man noch mehr Schmerzen oder kann nicht richtig laufen – welche Vorurteile sollte man Ihrer Meinung nach endlich ausräumen?

Ich kann nachvollziehen, dass man solche Eingriffe für gefährlich hält. Jedoch sind ein Bandscheibenvorfall oder andere pathologische Veränderungen an der Wirbelsäule zunächst einmal Erkrankungen und damit schicksalhaft. Man hat Beschwerden, vielleicht sogar schon länger Einschränkungen im Alltag. Eine Operation kann dann vielleicht das akute Problem beseitigen. Aber eben nicht jede altersbedingte Veränderung. Das muss man bedenken.

Und es stimmt nicht, dass durch eine OP vieles schlechter wird. Mein Ziel ist es immer, dass unsere Patient:innen das Krankenhaus besser verlassen, als sie es betreten haben. Wir haben auch beispielsweise bei versteifenden Operationen hervorragende Ergebnisse. Viele Patient:innen sagen danach: „Ich kann besser laufen, wieder Fahrrad fahren und Sport machen.“ 

Müssen Sie manchmal hohe Erwartungen zurechtrücken?

Ja. Schmerzen oder Gefühlsstörungen können sich bessern, manches kann aber bleiben. Außerdem verändern wir bei einer Operation etwas am Körper, das kann neue Einschränkungen bedeuten. Ich verspreche nichts Unrealistisches, sondern erkläre ehrlich, was erreichbar ist. Wenn ich vor der OP sage: Danach werden Sie Schwierigkeiten haben, Ihre Schuhe zuzubinden, dann ist der Patient darauf vorbereitet. Ich sage immer: Die Behandlung muss sowieso perfekt sein. Aber vielleicht 80 % macht das Patientengespräch aus, in dem ich mir Zeit nehme für Fragen und diese richtig bewerte, damit sich jeder verstanden fühlt. 

Ein großes Thema ist für Patient:innen Sicherheit. Wie sorgen Sie dafür?

Sicherheit beginnt bei uns lange vor der OP. Unsere Sprechstunde ist so organisiert, dass alle wichtigen Unterlagen vorliegen oder oft schon vorher gesichtet werden. Fehlen Befunde, können wir sie direkt im Haus ergänzen. Mit Radiologie, Innerer Medizin und Neurologie haben wir alle notwendigen Fachbereiche vor Ort. 

Wenn operiert werden soll, durchläuft jeder Fall mehrere Stationen von der Terminplanung bis zum Aufklärungsgespräch. Alle Informationen gehen bei uns durch viele Hände, werden mehrfach überprüft. Da fällt auf, wenn etwas unstimmig ist. Am OP-Tag selbst besprechen wir im Team noch mal alle Details. Dazu kommt unsere Spezialisierung: Die Wirbelsäule ist hier ein klarer Schwerpunkt, wir führen diese Eingriffe täglich durch. Diese Erfahrung, die klaren Abläufe und das eingespielte Team sorgen für ein sehr hohes Maß an Sicherheit.

Die Wirbelsäulenchirurgie am KKL ist weltweit angesehen. Wie wichtig ist dieser internationale Ruf für Sie?

Wir behandeln Patient:innen aus allen Kontinenten und stehen im Austausch mit großen Wirbelsäulenzentren weltweit. Es ist sehr reizvoll, dass man zum Beispiel mit Kolleg:innen in den USA über einen speziellen Fall oder eine Operation diskutieren kann. Viele schwere Fälle werden gezielt zu uns nach Langensteinbach überwiesen. Dieses Vertrauen verpflichtet. Und es motiviert.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Team in der Wirbelsäulenchirurgie?

Wir sind drei Chefärzte, dazu vier Oberärzte und etwa 15 Fachärzt:innen. Viele meiner Kolleg:innen machen seit Jahrzehnten Wirbelsäulenchirurgie auf einem Niveau, das mich sehr beeindruckt. Diese große gebündelte Erfahrung ist außergewöhnlich. Davon profitiere ich, denn ich kann jederzeit um Rat fragen. Das kommt unmittelbar meinen Patient:innen zugute.

Würden Sie sagen, dass es im KKL einen besonderen Spirit gibt?

Ganz bestimmt. In unsere Sprechstunden kommen oft Menschen mit Wirbelsäulenerkrankungen, die man so noch nicht gesehen hat. Das erfordert immer wieder interdisziplinäre Teamarbeit. In unseren wöchentlichen Besprechungen präsentieren wir komplexe Fälle und diskutieren sie. Da spürt man diesen besonderen Spirit. Manchmal wird tatsächlich das scheinbar Unmögliche möglich gemacht.

Wie hat sich die Wirbelsäulenchirurgie im Laufe Ihres Berufslebens verändert? 

Wir können heute aufgrund der Erfahrungen und durch die moderne Technik viel besser hinschauen. Für jede Patientin und jeden Patienten prüfen wir sehr differenziert, welche Operationsmethode passt.

Auch technisch hat sich enorm viel getan. Mit modernen Ganzkörperscannern können wir die Körperhaltung im Stehen exakt analysieren. Besonders bemerkenswert ist hier in Langensteinbach die Möglichkeit, aus einer Kernspintomografie ein detailreiches Knochenbild zu berechnen, ganz ohne zusätzliche Strahlenbelastung. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Im Operationssaal arbeiten wir jetzt mit Navigationssystemen, das erhöht die Präzision und senkt das Risiko von Komplikationen. Viele Patient:innen können auch schneller mobilisiert und früher entlassen werden.

Trotz aller Fortschritte bleiben Grenzen, etwa bei sehr kranken oder hochbetagten Menschen mit zusätzlichen Erkrankungen. Aber selbst hier hat sich viel verändert. Heute operieren wir viele über 80-Jährige, die danach wieder selbstständig nach Hause gehen können. Das zeigt, wie weit die Medizin gekommen ist.

Welche Innovationen der letzten 20 Jahre haben denn den größten Nutzen für Patient:innen gebracht?

Ich würde sagen, die Weiterentwicklung der Implantate, die sind immer stabiler und zuverlässiger geworden. Dann die OP-Techniken, sie belasten mittlerweile den Körper nicht mehr so sehr wie früher, da Zugänge kleiner angelegt werden. Künstliche Intelligenz bringt auch Vorteile. Wir können mit moderner Navigation und dreidimensionaler Bildgebung im OP arbeiten und damit präziser und sicherer operieren. 

Gibt es einen Fall, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da gibt es viele! Wenn zum Beispiel jemand nach einer Operation schmerzgelindert in meine Sprechstunde kommt, freut mich das sehr. Besonders bewegen mich Kinder mit schweren Verkrümmungen der Wirbelsäule. Wenn sie nach einer aufwendigen OP aufrecht und selbstbewusst die Klinik verlassen, ist das ein magischer Moment.

Was ist Ihre Vision, was möchten Sie am KKL als Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie umsetzen?

Ich möchte die extrem hohe Qualität hier sichern und weiter ausbauen. Ein Schwerpunkt für mich ist auch die Ausbildung. Chirurgie lernt man nicht nur aus Büchern, sondern im Operationssaal. Junge Ärzt:innen brauchen Anleitung, Zeit und Unterstützung. Das passt zu dem, wofür die Unternehmenskultur der SRH mit ihren Werten steht: Menschen zu befähigen und in ihrer Entwicklung zu fördern. Ich möchte mein Wissen weitergeben und dazu beitragen, dass die nächste Generation hier bestmöglich ausgebildet wird. Auch Wissenschaft gehört dazu. Wir behandeln viele komplexe Fälle, daraus entsteht wertvolles Wissen, das wir durch Studien und Veröffentlichungen weitergeben können.

Sie wurden in Karlsruhe geboren, jetzt sind Sie für den Job in Ihre Heimat zurückgekommen, spielte das auch eine Rolle? 

Auf jeden Fall. Ich bin in Grötzingen aufgewachsen und in Karlsruhe zur Schule gegangen. Für mich und meine Familie ist es ein emotionaler Bonus, wieder hier zu sein.
Die Entscheidung war aber ganz bewusst fachlich. Schon als Schüler wusste ich, dass in Langensteinbach herausragende Wirbelsäulenchirurgie gemacht wird. Als ich später Medizin studiert und mich auf Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie spezialisiert habe, war der Gedanke immer da: Wenn ich dieses Fachgebiet auf höchstem Niveau beherrsche, dann möchte ich irgendwann in Langensteinbach arbeiten.

Mir war wichtig, unterschiedliche Häuser kennenzulernen, viel Erfahrung zu sammeln und verschiedene Arbeitsweisen mitzunehmen. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, stand meine Entscheidung fest. Es gibt keinen Wirbelsäulenchirurgen auf der Welt, der Langensteinbach nicht kennt. Die Kombination aus hoher Fallzahl, komplexen Erkrankungen und gewachsenen Strukturen findet man so kein zweites Mal. Wir haben sogar eine eigene Schule für Kinder, die länger bei uns behandelt werden. Das zeigt, wie weit hier gedacht wird. Ich bin glücklich, Teil dieser Institution zu sein. Hier kann ich Spitzenmedizin machen. Und das in der eigenen Heimat. Besser geht es nicht.

Chirurgisches Team in blauer Schutzkleidung bei einer Operation unter einem hellen OP-Licht.