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24.05.2019

Kongo, Ecuador, Uganda, Ruanda, Süd-Sudan - Craig Fritz durchbricht einmal im Jahr seinen geregelten Alltag für einen Auslandseinsatz: "Ohne die gute Vorbereitung und anschließende Begleitung zerbrächen selbst erfahrende Ärzte und Pfleger an dem Elend."


Craig Fritz, Gefäßmediziner am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach

Wolkenloser Himmel, flirrende Hitze, hier und da trotzt ein Büschel Steppengras bewegungslos der staubigen Erde. Daneben geschäftiges Treiben. Es herrscht Aufbruchsstimmung im Camp von Ärzte ohne Grenzen in der Region um Moyo, Norduganda - und Bürgerkrieg! Da durchdringt ein glockenheller Schrei den Vormittag. Ein kleiner Junge mit einem ganz besonderen Namen hat soeben das Licht der Welt erblickt.

"Wir wollten gerade die letzten Kisten in die Trucks bringen und das Zelt abbauen. Da kam eine Frau zu uns, die im Begriff war, zu entbinden", erinnert sich Craig Fritz.

Vom Schwarzwald in die Welt

Craig Fritz ist Ende dreißig, zweifach promovierter Mediziner mit Spezialisierung in der Gefäßchirurgie und Schmerztherapie, zudem ist er Wund- und Notfallexperte an einem deutschen Krankenhaus. In Baden-Württemberg führt der gebürtige Südafrikaner mit englischen Wurzeln ein glückliches, solides Leben. Seit 2010 durchbricht er einmal im Jahr diesen geregelten Alltag für einen Auslandseinsatz. Dann geht es vom idyllischen Nordschwarzwald auf weite Steppen, in den Urwald oder sogar in Kriegsgebiete. Mit der Non-profit-Organisation Médecins Sans Frontières, deren deutscher Ableger Ärzte ohne Grenzen ist, reist er in Entwicklungs- und Schwellenländer, um die notleidende Bevölkerung vor Ort medizinisch zu versorgen. Bei seinem jüngsten Einsatz war Fritz drei Monate in den zentralafrikanischen Ländern Uganda, Ruanda und Süd-Sudan unterwegs.

Helfer zerbrächen ohne psychologische Betreuung

Im Jahr 2010 hat Craig Fritz das erste Mal an einem Einsatz der Hilfsorganisation teilgenommen, damals im Kongo. "Mir war, als sei ich ins Jahr 1970 zurückgereist", beschreibt er. Alles war augenscheinlich veraltet, aber noch funktionsfähig - sowohl der Flughafen, an dem das Team ankam, als auch das Krankenhaus, in dem seine Kollegen und er stationiert waren. "Das Elend war überwältigend. Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - wurden wir sehr herzlich aufgenommen", erinnert er sich. Dutzende Menschen seien zu Fuß aus der Umgebung angereist, um sie willkommen zu heißen. Der Alltag, der auf den warmen Empfang folgte, war hart. "Wir haben schrecklich viel Leid gesehen und konnten leider nicht allen helfen", bedauert der Mediziner. Der Zusammenhalt im Team und die hervorragende psychologische Unterstützung gaben Fritz Halt. Ohne die Vorbereitung und anschließende Begleitung zerbrächen selbst erfahrende Ärzte und Pfleger an dem Elend, betont Fritz den Wert einer guten psychologischen Betreuung.

Nach dieser einschneidenden ersten Erfahrung im Kongo gab es für ihn nur eine Option: unbedingt weitermachen. Im Laufe der Jahre reiste er nach Bangladesch, Ecuador und zuletzt in das zentralafrikanische Gebiet zwischen Uganda, Ruanda und Süd-Sudan. Seine letzte Reise nach Ecuador im November 2017 war bereits sein siebter Einsatz dort. Jedes Mal behandelte er die Einheimischen in der Region um die Stadt Tena im westlichen Amazonasgebiet. Für Craig Fritz ist es selbstverständlich, anderen Menschen mit seinen medizinischen Fähigkeiten zu helfen. Egal wo. Ob im Nordschwarzwald, wo er lebt und arbeitet, im Herzen Afrikas, im Süden Asiens oder im tropischen Regenwald Südamerikas. Fritz selbst findet eine ganz einfach Erklärung für sein Engagement: "Ich möchte etwas zurückgeben."

Kriseneinsätze im Herzen Afrikas

Seit neun Jahren engagiert sich Craig Fritz für Médecins Sans Frontières. Die Hilfsorganisation agiert weltweit und arbeitet auch mit Institutionen in anderen Ländern zusammen. Bei seinem Einsatz in Zentralafrika im Jahr 2018 war er erstmals ärztlicher Leiter eines 25-köpfigen Teams, zu dem neben Ärzten und Krankenpflegern auch Apotheker und einheimische Dolmetscher gehörten. Eine der vielen Herausforderungen für die freiwilligen Helfer ist die Sprachbarriere: Im Süd-Sudan spricht man neben den wenig verbreiteten einheimischen Sprachen überwiegend Arabisch, während in den benachbarten Ländern Uganda und Ruanda eher Englisch und Französisch verstanden werden.

Seit der Abspaltung und der Unabhängigkeit der Republik Süd-Sudan vom Sudan im Jahr 2011 gibt es dort Unruhen, bewaffnete Konflikte unter den Einheimischen sind an der Tagesordnung. Das jüngste Land der Erde ist Schauplatz eines Bürgerkriegs, in dem rund 60 afrikanische Völker gegeneinander kämpfen. Dabei ist die Lage nicht zu unterschätzen. Die Begegnungen der verschiedenen Völker enden fast immer blutig. Fritz und sein Team wurden von bewaffneten Truppen der UN durch die Gebiete eskortiert. "Da es ein Bürgerkrieg ist, werden ausländische Gruppen in der Regel nicht angegriffen", erklärt Fritz. Mulmig war ihm beim Anblick der gezückten Schusswaffen dennoch zumute.

Lichtblicke geben Kraft

Ein Einsatz im Ausland birgt viele Hindernisse für die Helfenden. Neben den oftmals hohen Temperaturen, den weiten Strecken und der schlechten Infrastruktur in ländlichen Regionen bringen militärische Konflikte und deren Folgen zusätzliche Risiken. Auch in Süd-Sudan gab es viele Herausforderungen für Fritz' Team. Neben Malaria, einer der häufigsten Krankheit dort, behandelten sie vor allem Lungenentzündungen und Hauterkrankungen. Auch kleinere chirurgische Eingriffe und allgemeinmedizinische Fälle waren an der Tagesordnung. "Die medizinische Ausstattung in diesen Gebieten ist notdürftig. Wir hatten immerhin ein grundlegendes Kontingent an Ausrüstung und Medikamenten zur Verfügung", schildert Fritz die Situation vor Ort.

Zusätzlich zu den klimatischen Bedingungen und den medizinischen Provisorien musste das Team auch mit menschlichen Herausforderungen fertig werden. Innerhalb von vier Wochen erklärte Fritz 27 Kinder und mehr als 60 Erwachsene für tot. Da braucht es auch Lichtblicke, die über solche schweren Momente hinweghelfen und den Sinn des Einsatzes wieder vor Augen führen. Die Geburt kurz vor ihrer Abreise war so ein Lichtblick. Als Dank dafür, dass sie ihren Sohn gesund zur Welt gebracht haben, benannte die junge Mutter ihn nach den Geburtshelfern: Craig-Julian. "So etwas Wundervolles wie eine Geburt versöhnt einen wieder ein bisschen mit dem rauen Alltag dort", schließt Fritz.